Immer nur ich


Ausgerufener Katastrophenfall, Schulschließung, Verhaltensmaßregeln, Ausgangsbeschränkung – da reagieren viele mit: Retten und bunkern. Und dann?

Alles da
Es ist nicht einfach, eine Ausgangsbeschränkung zu akzeptieren. Ich selbst fühlte mich schon eingeengt, als die ersten Ausreisebeschränkungen ins benachbarte Ausland ausgesprochen wurden. Nicht, dass ich eine Reise geplant hätte – einfach so, vom Gefühl.

Nun sind die Beschränkungen im täglichen Alltag angekommen. Auch wenn dies Verzicht auf Gewohnheiten bedeutet, so ist mir klar: Es ist Frieden, ich muss weder in den Bunker noch außer Landes flüchten. Auch jetzt sind genug Lebensmittel, Hygieneartikel und andere Artikel des täglichen Bedarfs vorhanden. Vielleicht nur die Lieblingsmarke nicht.
Nach der Krise kann ich mich wieder frei bewegen und meine Lieblingsmarken konsumieren.

Reflektion
Umso mehr ist jetzt Zeit, sich auf die wesentlichen Werte im Zusammenleben zu besinnen und sein eigenes Verhalten zu reflektieren.

Alle die, die in den so genannten „systemkritischen Berufen“ arbeiten – allen voran in der Grundversorgung mit Lebensmitteln, Wasser, Strom etc. sowie im medizinischen Bereich – zeigen, wie selbstloses Handeln geht. Die eigenen Bedürfnisse werden hintenangestellt – zum Wohl der Gemeinschaft.

Quelle: Lizenzfreie Stockillustrations-Nummer: 6709086, davidundderriese

Einfachstes Element
Das einfachste Element im täglichen Zusammenleben ist ein „Danke“. Wie oft wird das vergessen, weil einzelne, alltägliche Tätigkeiten zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Auf der Arbeit, im öffentlichen Leben, in der Familie.

„Danke“ ist das mindeste, was ich an Wertschätzung meinen Mitmenschen entgegenbringen kann. Damit wird klar: Ich habe gesehen und beachtet, was sie getan haben.

Das Nötigste Erledigen
Ohne Lebensmitteleinkauf geht es nicht, das ist klar. Allerdings gilt auch an den Regalen im Supermarkt, nicht nur in der Warteschlange: Abstand halten. Kaum stand ich heute am Kühlregal, so drängte sich eine Person an mir vorbei, die schneller fand, was sie suchte. Abstand halten, Rücksicht nehmen. Aktuell ist die Distanzzone auf mindestens 1,5 m ausgeweitet, sonst gilt eine persönliche Distanzzone einer Armlänge, die gewahrt werden will.

Auf keinen Fall muss die Einkaufsmenge so weit erhöht werden, dass ein Vorrat weit über den eigenen Bedarf hinaus geht. Auch andere benötigen noch etwas, Egoismus ist hier fehl am Platz. Es kann nicht sein, dass zum Beispiel die Hilfseinrichtung „Die Tafel“ in Mittelfranken nicht genug Lebensmittel zur Ausgabe bekommt!

Ein Lichtblick ist das solidarische Handeln einiger Mitmenschen. So melden sich jüngere Personen, um die Ausgabe zu übernehmen, um die vielen älteren ehrenamtlichen Helfer/innen zu schützen. Respekt! (Quelle: br.de/nachrichten/bayern/corona-und-die-nuernberger-tafel vom 18.03.2020).

Grundlegendes Verhalten
Wenn ich in meinen Kinderkursen frage, wie ich mich bei Husten oder bei Niesen zu verhalten habe, so wissen die Kinder: In die Armbeuge Husten oder Niesen, nie in die Hand, die ich ggf. dem nächsten dann zum Gruß reiche. Den Kindern ist auch klar: Hände waschen vor dem Essen, wenn ich von draußen reinkomme oder anderes erledigt habe. Jetzt so aktuell wie nie! Diese Kleinigkeiten zeigen verantwortungsvolles Handeln – zum Wohle der Gemeinschaft.

Alternative Begrüßung
Der Handschlag gilt bei uns als die übliche, respektvolle Begrüßung. Doch aktuell ist dieser, ebenso wie die Akkolade („Küsschen“) und die Umarmung Übertragungsweg Nummer eins. Aus den vielen Alternativen, die es ohne Berührung gibt, gefällt mir das indische „Namaste“, über welches ich in meinem Blogbeitrag „Der Frühling will begrüßt werden“ geschrieben habe. Im informellen Rahmen reicht auch der lange Blickkontakt mit freundlichem Lächeln oder „Hand heben“ zum „Hallo“. Sollte Ihr Gegenüber Ihnen die Hand zum Gruß reichen: Erklären Sie freundlich die Situation und Ihr Handeln. Ich erlebe hier inzwischen verantwortungsvolles Handeln.

Digital höflich und fair bleiben
Die meisten Kommunikation läuft in diesem Tagen aus dem Home-Office oder auch privat auf digitalem Weg. Sei es schriftlich per E-Mail oder über die sozialen Medien, per Telefon oder Videokonferenz.

Beim geschriebenen Wort überlege ich genau, wie es wirken wird. Schnell ist ein emotional aufgeladener Satz formuliert, der anschließend bereut wird. Doch so leicht wie das gesprochene Wort ist die Aussage nicht mehr zurück zu nehmen. Also besser vor dem Verschicken noch einmal überdenken. Beim geschriebenen Wort überlege ich genau, wie es wirken wird. Schnell ist ein emotional aufgeladener Satz formuliert, der anschließend bereut wird. Doch so leicht wie das gesprochene Wort ist die Aussage nicht mehr zurück zu nehmen. Also besser vor dem Verschicken noch einmal überdenken.

Die Videokonferenz kommt einem persönlichen Meeting meiner Erfahrung nach sehr nahe, wenn alle Beteiligten live zugeschaltet sind. Dann ist das Verhalten gleich viel höflicher, schließlich will sich niemand blamieren.

Ich wünsche mir, dass wir auch in diesen ungewöhnlichen, teilweise verunsicherten Zeiten respektvoll miteinander umgehen und besonnen handeln. Jede einzelne Person trägt Verantwortung für das soziale Miteinander. Adolph Freiherr Knigge sagte schon im Jahre 1790 in seinem Buch „Über den Umgang mit Menschen“: „Man erlaube sich keinen Schritt zum Nachteil eines anderen.“

Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen, die Sie im täglichen Zusammenleben gerade so erleben. Ich freue mich auf Ihre Nachrichten!

PS: Und da das „Essen gehen“ gerade nicht möglich ist, genießen Sie doch das selbst gekochte, abgeholte oder gelieferte Menü zu Hause – stilvoll, ganz ohne Zwang 😊.